40 Erfahrungen und Gedanken für BARFer

40 Erfahrungen und Gedanken für BARFer

Im Laufe der Zeit sammelt man viele Erfahrungen, was Rohfütterung angeht. Nicht nur als BARFer, sondern generell, wenn man sich dazu entschieden hat, Hund oder Katze anders zu füttern als überwiegend mit konventionellem Futter. Einiges davon habe ich an dieser Stelle mal zusammen getragen.

Manches ist individuell, manches ist Ansichtssache. Klar. 😉

  1. BARF / Rohfütterung ist nicht kompliziert. Wir sind durch Fertigfutter als Normalzustand nur oft nicht daran gewöhnt, uns genauer mit Fütterungs-Details zu beschäftigen.
  2. Es gibt nicht nur eine einzig richtige oder eine einzig mögliche Form einer bedarfsgerechten Rohfütterung.
  3. Fütterung ist immer individuell. Dass alle Tiere mit derselben Fütterung gleich gut zurecht kommen, ist eine Idee der Fertigfutterindustrie.
  4. Egal, auf welche Art und Weise Du roh fütterst: Du musst über die Grundlagen Bescheid wissen. Dir muss klar sein, warum Du was fütterst. Das kann Dir auch dauerhaft niemand abnehmen.
  5. Erzählt man, dass man barft, wird alles direkt auf die Fütterung zurück geführt. Der Hund haart? Oh je, oh Schreck, die Fütterung. Die Katze hat eine Blasenentzündung? Nee, mit Fertigfutter wäre das  NIE-MALS passiert. (Durchatmen, lächeln, Kaffee holen. :-))
  6. Du wirst als BARFer mindestens einen der folgenden Sätze hören: „BARF ist  doch gefährlich wegen der ganzen Keime!“, „Für mich wär das ja nichts, das ist alles viel zu aufwändig“,  „Meine Hunde / Katzen sind auch alle alt geworden und die haben immer nur das Aldi-Futter bekommen“ , „Innereien sind doch schädlich!“  „Der Hund / die Katze wird besser ernährt als ich“ oder  „Ich hab noch nie irgendwas abgewogen, ich sehe doch an meinem Hund / meiner Katze, ob alles passt!“
  7. Die richtigen Grundlagen zu kennen und umzusetzen sind erstmal wichtiger als akribische Detail-Rechnerei. (Ausnahme: Wenn Du Dein Geld damit verdienst. ;-))
  8. Zusätze, an der richtigen Stelle eingesetzt und in der richtigen Dosierung verwendet, können die Fütterung optimieren und erleichtern.
  9. Je länger man sich mit Fütterung und Futtermitteln beschäftigt, desto schwieriger ist es, Futter nicht selbst zu machen.
  10. Zuviel Protein ist in der Rohfütterung in der Regel nur dann ein Thema, wenn die Fütterung nicht gut zusammengestellt ist. Nierenprobleme, die von großen Mengen billigen Getreides und zu geringer Wasseraufnahme herrühren dürften wesentlich häufiger auftreten als Nierenprobleme, die bei roh gefütterten Hunden und Katzen aufgrund eines zu hohen Proteingehalts entstehen.
  11. An Sorgfalt und Wissen geht in der Rohfütterung kein Weg vorbei, Perfektionismus ist eher hinderlich.
  12. Man lässt sich als BARFer schneller mal verunsichern, meistens völlig unnötig. Es ist Blödsinn, diesbezüglich immer zuerst die eigenen Fähigkeiten in Frage zu stellen. Denn warum, um Himmels Willen, sollte man nicht in der Lage sein, ein gutes Futter selbst zusammen zu stellen, wo man schon soviel anderes, wirklich schwierigeres Zeugs geschafft hat?
  13. Menschen, mit denen man undogmatisch, sachlich und konstruktiv über Fütterung sprechen kann, sofort heiraten oder zumindest in den engen Freundeskreis aufnehmen. 😉
  14. Die Gefahr von Überdosierungen ist kleiner, als oft angenommen wird. (Leichte bis mittelschwere, aber kontinuierliche) Unterversorgungen kommen wesentlich häufiger vor.
  15.  Je mehr man sich mit Fütterung beschäftigt, desto höher ist das Risiko, dass man auch allgemein einen anderen Bezug zur Ernährung bekommt. Auch zur eigenen. 🙂
  16. Es ist nicht notwendig, dass in jeder Ration jeder Nährstoff zu 100% abgedeckt ist. Das ist genauso unsinnig, wie es unmöglich ist.
  17. Mixe und Fertig-BARF sind so gut wie nie  für eine dauerhafte und alleinige Fütterung geeignet.
  18. Du musst nicht roh füttern.
  19. Es hilft, die Fütterung ab und an zu überprüfen, selbst wenn man viele Jahre lang roh füttert.
  20. Abwechslung ist sinnvoll. Aber das heisst nicht, dass man jeden Tag ein anderes 5-Sterne-Menü aus möglichst vielen verschiedenen Zutaten kreieren muss.
  21. Es führt meistens zu nichts, etwas zu füttern, mit dem man sich selbst unwohl fühlt. Völlig egal, ob es um Knochenfütterung geht, um Getreide, um bestimmte Zusätze. Du musst nur wissen, wie ggffls die Alternative aussieht.
  22. Es gibt immer einen Plan B, wenn Plan A nicht funktioniert. Manchmal eben in Form von Kompromissen zwischen dem, was man selbst für richtig hält und dem, was machbar ist.
  23. Die positiven Veränderungen, die eine artgerechte Fütterung mit sich bringt, erlebt man nicht, wenn man es nicht selbst ausprobiert. Man hält sie oft nicht mal für überhaupt möglich.
  24. Nicht zuviel und nicht alles auf einmal machen. Gute Fütterung ist letztlich so etwas wie Projekt auf Lebenszeit.
  25. Es gibt erstaunlich wenig Gründe, die ernsthaft dagegen sprechen, auf BARF umzustellen, dazu können gesundheitliche Probleme zählen oder ein hohes Alter. Etliche Gründe, nicht auf BARF umzustellen, sind aber eher unsere eigenen. (Keine Zeit, zu aufwändig, Unsicherheit etc.)
  26. Es ist unmöglich, alleine aufgrund der Optik eines Hundes oder einer Katze beurteilen zu können, ob die Nährstoffabdeckung stimmig ist.
  27. Fütterungsüberprüfungen nur anhand des Blutbildes funktionieren allerdings genauso wenig.
  28. Seealgenmehl eignet sich nicht dazu, in großen Mengen gefüttert zu werden. Die Dosierung von Seealgenmehl richtet sich nach dem enthaltenen Jod und sollte genau berechnet werden.
  29. Die Fütterung von Kehlköpfen (oder generell hormonhaltigem Gewebe) kann 100 x gut gehen, um beim 101. Mal nicht mehr gut zu gehen. Und akute Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion möchte man ganz sicher nicht erleben, wenn es zu vermeiden ist.
  30. Eine Fütterung, die zu 50%  und mehr pflanzlich ist, ist für Katzen absolut untragbar und für Hunde nur im Ausnahmefall geeignet.
  31. Kohlenhydrate werden chronisch überbewertet. Und nein, es geht nicht darum, gar keine zu füttern. Aber genauso wenig geht es darum, auf Teufel komm raus Argumente finden zu wollen, um aus einem Hund oder einer Katze doch noch irgendwie ein Kaninchen zu machen. (Und selbst für Kaninchen ist eine Kohlenhydratreiche Fütterung nur bedingt geeignet.)
  32. Egal, wie Du fütterst: Irgendwer wird es immer unpassend finden.
  33. Verstärktes Kotfressen muss nicht zwangsläufig ein Anzeichen von Nährstoffmängeln sein – die Baustellen liegen meistens woanders.
  34. Für Katzen ist Rohfütterung die Form der Fütterung, die den Bedürfnissen am besten entspricht. Es kann nur unter Umständen eine gewisse Zeit dauern, bis die Katze das auch so sieht. 😉
  35. Mäkeleien sind nicht immer Grund zur Sorge, nicht selten sind sie (unwissentlich) selbst herbei geführt.
  36. Erkrankungen sind immer ein Sonderfall in der Fütterung.
  37. Rohfütterung  ist nicht zwangsläufig  eine gute Fütterung: Miserabel zusammen gestellte, rohe Rationen sind auf keinen Fall besser als ein hochwertiges Fertigfuttermittel! Aber gut zusammen gestellte Rohfütterung ist es in der Regel schon.
  38. Es ist ziemlich einfach, selbst Futter herzustellen, das qualitativ besser ist als viele Fertigfuttersorten. Wenn Du Hilfe dabei brauchst, nimm sie in Anspruch.
  39. Welpenaufzucht mit BARF / Rohfütterung ist nicht schwieriger als mit konventionellem Futter.
  40. Gut füttern kann jeder. Wirklich.

 

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1 comment

  1. Kerstin Amann

    Liebe Ute,
    ganz herzlichen Dank für den obigen Artikel. Auch ein ganz herzliches Dankeschön für Dein Engagement.
    Gerne würde ich auf dem „laufenden“ bleiben 😉 und freue mich über Deine Nachrichten.
    Viele Grüße
    Kerstin

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