Aujeszky Virus – Wie gefährlich ist es in der Rohfütterung?

Aujeszky Virus – Wie gefährlich ist es in der Rohfütterung?

Momentan wird die mögliche Ansteckung mit dem Aujeszky- Virus von Hunden und Katzen wieder verstärkt diskutiert. Ausgelöst vor allem durch die Tatsache, dass sich das Virus in Wildschwein-Populationen ausbreitet, aber vor allem wohl auch durch diese Meldung, die leicht reißerisch formuliert für relativ hohe Verbreitung unter BARFern im Netz sorgte.

Die Meldung lässt vermuten, dass die Gefahr einer Ansteckung derzeit für Hunde und Katzen besonders hoch ist. Und für BARFer  hat das Thema Aujeszky-Krankheit, die durch rohes Schweinefleisch übertragen werden kann, ohnehin eine besondere Bedeutung.

Wieviel Gedanken muss  man sich als BARFer machen?

Nun ist es ja nicht so, dass an einer  Warnung vor dem Aujeszky-Virus überhaupt nichts dran ist. Eine Infektion mit dem Virus, der die sogenannte Aujeszky-Krankheit (auch Pseudowut genannt) auslöst, verläuft für Hunde und Katzen immer tödlich. Es gibt keine Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung.

Aus diesem Grund lautet die Empfehlung für Hunde- und Katzenhalter seit jeher, kein rohes Schweinefleisch zu füttern. Weder Wildschwein noch Hausschwein.
In den letzten Wochen kam jedoch verstärkt die Frage auf, ob roh gefütterte Katzen und Hunde sich über Umwege über die Fütterung anstecken können. Denn das Aujeszky-Virus ist auch auf andere Säugetiere übertragbar.

Wenn sich das Aujeszky-Virus also ausbreitet, wie wahrscheinlich ist es, dass es ggffls doch roh gefütterte Hunde und Katzen betrifft?

 

Was hat es mit dem Aujeszky-Virus überhaupt auf sich?

Genauer gesagt handelt es sich beim Aujeszky-Virus um das Suide Herpesvirus 1 (SuHV-1), dessen Hauptwirt Schweine sind. Infizieren sich Schweine,  kommt es vor allem bei jüngeren Tieren zu neurologischen Symptomen wie Lähmungen, Hirnhautentzündung und Krämpfen. Bei ausgewachsenen Schweinen verläuft die Erkrankung meistens deutlich schwächer und die Symptome sind eher allgemeiner Natur. Oft treten auch gar keine Symptome auf, d.h., Schweine können auch latent mit dem Virus infiziert sein und das Virus unbemerkt an andere Schweine weiter geben.
Die Infektion bei Schweinen geschieht hauptsächlich über die Schleimhäute des Mauls bzw. der Atemwege oder durch den Deckakt.

 

Übertragung auf andere Tiere

Normalerweise sind Herpesviren sehr wirtsspezifisch. Das Feline Herpesvirus (FHV-1) zum Beispiel ist zwar in der Grundstruktur dem Caninen Herpesvirus (CHV-1) ähnlich, hat aber auf Hunde keine Auswirkungen. Außerhalb des Wirtes, in diesem Fall einer Katze, überlebt das Virus nur kurze Zeit.

Genau das ist beim Suiden Herpesvirus  anders.  Es ist auf andere Säugetiere übertragbar, und löst dort einen gravierenderen Krankheitsverlauf aus als beim Hauptwirt. Nämlich ebene jene Pseudowut bzw. Aujeszkysche Krankheit.

Ausgenommen sind nur Menschen und Primaten, die eine natürliche Resistenz gegen die Infektion aufweisen.

Was auch ein Grund dafür ist, dass die Vorschriften zu amtlichen Fleischuntersuchung keine standardmäßige Bestimmung des Aujeszky-Virus vorsehen.

 

Aber Deutschland soll doch Aujeszky-frei sein?

Bei Mastschweinen  gilt seit 1980 die sogenannte Aujeszky-Verordnung, in der auch seit 1993 die bundesweite Tilgung der Aujeszky-Krankheit in Mastbetrieben festgeschrieben ist.

Dazu wurden Schweine in den Regionen mit einer hohen Erkrankungsrate ab der 10. Lebenswoche geimpft und durch Blutuntersuchungen die tatsächliche Infektionsrate festgestellt.

In Aujeszky-freien Gebieten und Betrieben wurde ein Impfverbot geltend gemacht und die Entwicklung durch Kontrolluntersuchungen ein Jahr lang beobachtet. Wenn keine Infektionsfälle mehr festgestellt wurden, gilt der Betrieb als “Aujeszky-frei”.  Dies muss durch stichprobenartige Kontrollen auch regelmäßig bestätigt werden.
Die Maßnahmen zeigten die gewünschte Wirkung: Seit April 2003 gilt Deutschland offiziell als Aujeszky-freie Region, was Mastbetriebe angeht.

 

Und bei Wildschweinen?

Diese Art von Kontrolle bei Wildschwein-Beständen vorzunehmen, ist unmöglich, deswegen ist die Krankheit in Schwarzwild-Beständen in Deutschland, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern weiterhin vertreten.

Wildschweine haben wenig natürliche Feinde, die Zahl der Wildschweine ist in Deutschland trotz erhöhter Abschussraten durch Jäger in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen.

Diskutiert für die steigende Zahl werden auch Faktoren wie Klimawandel und dass sich Wildschweine bei vermehrter Jagd offenbar zahlreicher vermehren. (1)

Mit einer steigenden Population kann sich natürlich auch das Aujeszky-Virus rascher ausbreiten.

Allerdings: Neu ist das alles nicht.
Einige Regionen, wie etwa Nordrhein-Westfalen waren schon früher von einer relativ hohen Infektionsrate unter Wildschweinen betroffen. Eine Langzeitstudie im südlichen NRW zwischen 1993 und 2000 zeigte beispielsweise, dass zu diesem Zeitpunkt zwischen 9,4% und 11,4% der Wildschweine Antikörper gegen die Aujeszky-Krankheit aufwiesen. Auch in Bayern liegt dieser Prozentsatz durchgängig bei etwa 10%. (2)

Im letzten Jahr war in einigen Regionen ein Anstieg der Infektionen zu beobachten, wie etwa Thüringen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.

Das heisst aber nicht, dass es in anderen Bundesländern oder angrenzenden Regionen keine Aujeszky-Erkrankungen gibt und gab! Es wurden im Laufe der Zeit immer wieder Fälle bekannt, wie etwa in Sachsen-Anhalt (3), Baden-Württemberg (4) und Brandenburg.

 

Wie hoch ist die Gefahr für Hunde und Katzen?

Eins muss man ganz klar sagen: Für Jagdhunde ist die Gefahr einer Infektion am höchsten. Für Jäger gibt es Vorsichtsmaßnahmen, die zu beachten. Trotzdem oder gerade deswegen ist die Zahl der Jagdhunde, die sich mit der Aujeszky-Krankheit infizieren, sehr gering, so daß man nach wie vor von Einzelfällen sprechen kann.

Ein Fall, der grössere Bekanntheit erreichte , ereignete sich im November 2016.

Anders formuliert: Die grösste Gefahr für Hunde und Katzen besteht beim direkten Kontakt mit einem infizierten (Wild-) Schwein bzw. rohen Fleisch eines infizierten (Wild-)Schweins.

Ob man nun angesichts der Aujeszky-Freiheit ungekochtes Mastschwein füttern möchte, muss jeder für sich und seinen Hund selbst entscheiden. Bei großen Zuchtbetrieben ist es so, dass nicht jedes Tier auf AK überprüft werden muss, sondern die Anzahl der Kontrollen stichprobenartig nach einem festgelegten Probenschlüssel erfolgt.

Andere Länder sind nicht frei von Aujeszky-Erkrankungen, so dass man auf keinen Fall rohes Schweinefleisch ohne sicheren Herkunftsnachweis roh verfüttern sollte.
(Aber über die Fleischherkunft sollte man sich eigentlich auch sonst so genau wie möglich im Klaren sein.)

Was vorkommen kann, ist die Übertragung des Virus von Wildschweinen auf Schweine aus artgerechter Haltung, also mit entsprechendem Auslauf. Aber auch hier ist man auf der sicheren Seite, solange man kein rohes Schweinefleisch verfüttert.

Gekocht kann Schwein jedoch problemlos Teil der Fütterung sein, der Virus wird über 80 Grad sicher inaktiviert.

 

Andere Ansteckungswege?

Da auch andere Säugetiere sich mit dem Aujeszky-Virus infizieren können, bleibt die Frage, ob auch Rohfleisch von anderen Tieren als von Schweinen für Hunde und Katzen gefährlich sein kann.

Rein theoretisch wird dies nicht ausgeschlossen, es sind bislang aber keine Fälle dokumentiert, in denen dies so war.

Zum einen ist die Übertragung von Schwein auf beispielsweise Rinder selten und kam bislang  nur in Einzelfällen vor, wenn beide Tierarten mit derselben Impfpistole geimpft wurden und dabei ein Schwein latenter Träger des Virus war.

Auch auf Höfen, wo mehrere Tierarten zusammen gehalten werden, könnte durch die Aufnahme von Mist / Kot eines Virenträgers eine Infektion erfolgen. Diese Art der Tierhaltung ist eher selten geworden, meistens sind es kleine Betriebe mit geringeren Tierbeständen. Kleinere Betriebe haben aber z.B. auch einen engeren Stichprobenschlüssel bei den Kontrollen im Rahmen der Aujeszky-Verordnung.

In der Praxis sind das aber ohnehin Ausnahmefälle.
Bei den Fällen, in denen eine Infektion mit dem Aujeszky-Virus bei Hunden / Katzen festgestellt wurde, gab es einen direkten Kontakt zu einem infizierten (Wild-)Schwein.

 

Fazit

Eigentlich hat sich auch bei einer erhöhten Anzahl von Aujeszky-Fällen in der Wildschwein-Population für BARFer bzw. Hunde-und Katzenhalter nichts geändert. Vorsicht und Umsicht sind gut, Panik ist fehl am Platz.

Kein rohes (Wild-) Schwein verfüttern und die Vermeidung des direkten Kontakts zu (Wild-)Schweinen ist der sicherste Weg, eine Ansteckung zu vermeiden.

 

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