Deinen Hund roh füttern ohne Obst/Gemüse – geht das?

Letzte Woche haben wir folgende sehr interessante Anfrage bekommen, die wir in ähnlicher Form immer wieder einmal erhalten:

Egal, was ich versuche, mein Hund verweigert schlichtweg jegliches Gemüse bzw. Grünzeug. Äpfel sowie bestimmte andere Obstsorten werden zumindest ab und zu gefressen, sobald jedoch Gemüse im Futter ist, wird versucht, nur das Fleisch heraus zu sortieren oder aber es wird einfach stehen gelassen. Und zwar egal, wie hungrig er ist.  Wie bekomme ich meinen Hund also dazu, das Gemüse zu fressen?

Es gibt viele Hunde, die auf die Gemüsekomponente bei der Rohfütterung auch gut verzichten könnten und nur widerwillig oder mit kleinen Tricks fressen. Was aber, wenn man es mit Totalverweigerer zu tun hat?

Die Frage ist daher, ob ein Hund tatsächlich zwangsläufig Gemüse / Salate / Obst in der Ernährung benötigt. Abgeleitet von der natürlichen Ernährung des Wolfes, muss die Antwort “jein” lauten. Wölfe als klassische Beutetierjäger fressen dann Gräser / Wurzeln / Samen / Früchte / Kräuter, wenn keine anderweitige Beute erlegt werden kann, aber auch als Verdauungshilfe. In der Rohfütterung ist der Anteil normalerweise deutlich höher, was meistens in erste Linie damit zu tun hat, dass das Fressverhalten der Wölfe in der Regel nicht 1:1 in der täglichen Fütterungspraxis übernommen werden kann.
Da das Sättigungsgefühl auch beim Hund zudem über Dehnungsrezeptoren signalisiert wird, kommt es Hundehaltern natürlich auch entgegen, ein gewisses Volumen füttern zu können. Würde man nur mageres, hochwertiges Muskelfleisch füttern, hätte man hingegen sehr schnell das Problem, dass die Proteinwerte dieser Fütterung sehr hoch sind.

 

Was kannst Du tun, wenn Dein Hund Gemüse verweigert?

Die gute Nachricht ist: Du kannst Deinen Hund auch roh ernähren, ohne Obst oder Gemüse füttern zu müssen.
In diesem Fall solltest Du jedoch ein paar Punkte beachten, um eine bestmögliche Versorgung des Hundes zu gewährleisten.

  • Innereien füttern
    Füttert man kein Obst / Gemüse, sollte man nicht auch noch auf die Fütterung von Innereien verzichten. Zum einen enthalten viele Innereien grössere Mengen bestimmter Vitamine / Spurenelemente, zum anderen weisen sie durch den bindegewebigen Anteil oft einen niedrigeren Proteingehalt auf, als z.B. reines Muskelfleisch.
  • Magenfüller
    Wenn man ohne Obst / Gemüse ein grösseres Volumen der Futterration erzielen möchte oder muss (z.B. bei Hunden, die abnehmen sollen), kann man sich z.B. mit Lunge behelfen (grosses Volumen, dabei jedoch fett-und kalorienarm).
    Falls ohnehin (Pseudo-) Getreide auf dem Futterplan steht, kann dies ebenfalls weiterhin gefüttert werden.
  • Gemüsesorten ausprobieren
    Bei manchen Hunden ist die Gemüsefütterung einfach auch eine Geduldssache. Bestimmte, eher geschmacksintensive Gemüsesorten werden von Hunden zumindest nach einer Weile akzeptiert, wie z.B. Karotten, Pastinake, Sellerie, Rucola und Fenchel.
    Auch mit einer konsequenten Linie bei der Fütterung kann man hundeabhängig durchaus gute Erfolge erzielen: Erst wird der Gemüse-/Obstbrei gefüttert, den Fleischanteil  gibt es nur dann im Anschluss, wenn das Gemüse gefressen wurde. Auch Flocken kannst Du als Alternative verwenden: Aufgrund der höheren Geschmacksintensität werden Gemüseflocken oft akzeptiert, selbst wenn dasselbe Gemüse frisch verweigert wird.
  • Zusätze optimieren
    Als Ergänzung einer geschickten Fleischauswahl empfiehlt sich bei Obst-/Gemüseverweigerern auch, mit Zusätzen zu arbeiten. In Frage kommen z.B. Spirulina als Lieferant von Chlorophyll, Mineralien und Spurenelementen, Hagebutten (Vitamin C-Versorgung), Dorschlebertran (Vitamin A und D), Weizenkeimöl (Vitamin E), oder Seealgenmehl (Jod, jedoch Vorsicht bei Schilddrüsenerkrankungen!).
    Sofern Kräutermischungen (z.B. DHN Algen & Kräuter, Pernaturam 30 Kräutergarten) akzeptiert werden, können diese ebenfalls ein sinnvoller Baustein der Grundversorgung darstellen.
    Auch Komplettpräparate wie etwa Pernaturam Komplement kann man als regelmäßige Futterzugabe sehr gut in Betracht ziehen.
  • Ballaststoffe
    Nicht nur bei Gemüseverweigerern bietet sich zur Darmpflege die Fütterung von Ballaststoffen an, wie etwa Fellstreifen oder Rinderohren mit Fell. Diese weitestgehend unerdaulichen Ballaststoffe haben eine leicht darmregulierende Wirkung, einschließlich dem besseren Leeren der Analdrüsen. Darüber hinaus sind Kauartikel mit Fell für viele Hunde ein grosses Kauvergnügen.

Fazit

Es bedarf gegebenenfalls etwas mehr Überlegung bei der Rationszusammenstellung, aber grundsätzlich ist es problemlos möglich, Hunde auch ohne einen Gemüse- bzw. Obstanteil roh zu füttern. Die Fütterung bestimmter Zusätze kann darüber hinaus eine optimale Ergänzung sein.
Bevor das Projekt “BARF” also am Gemüse/Obst scheitert und man sich als Hundehalter irgendwann entmutigen lässt, solltest Du die Fütterung einfach entsprechend modifizieren.

Denn genau das ist ja das wirklich Schöne an der Rohfütterung: Dass man sie gemäß den Ansprüchen und Bedürfnissen des Hundes wirklich ganz individuell zusammenstellen kann und auch leicht abwandeln kann, sofern dies notwendig ist.

Und: einen einzig richtigen Weg der Rohfütterung gibt es nicht, denn jeder Hund ist anders. 😉

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