Kräuterkunde: Brennesseln

Kräuterkunde: Brennesseln

Die Brennessel gehört zu den Pflanzen, die gerne chronisch unterschätzt werden.  Vielleicht, weil sie an vielen Stellen so unkompliziert wächst, und daher eher als Unkraut wahrgenommen wird. Das weder besonders schön aussieht und das man schwer wieder loswird.
Ein Fehler. Wirklich.

Hunde können in vielen Situationen sehr von den vielen hervorragenden Eigenschaften der Brennessel profitieren. Ich würde sogar soweit gehen und sagen: Brennesseln gehören regelmäßig in den Napf.

Was macht Brennesseln so besonders?

Zunächst einmal wäre da der extrem hohe Nährstoffgehalt zu nennen. Brennesseln sind das, was man oft so schön als Superfood bezeichnet: Sie sind reich an Vitaminen, an Mineralstoffen und Antioxidantien. Und sie haben eine lange Tradition als Heilpflanze in einer Vielzahl von Anwendungsgebieten.

 

Was genau ist eigentlich drin in der Brennessel?

Brennesselblätter enthalten z.B. Vitamin C,Vitamin A (beta-Carotin), Vitamin K1 und B-Vitaminen (B2 und B5).
Bekannt sind Brennesseln auch für ihren hohen Eisengehalt, weshalb sie bereits früh in der Volksmedizin als blutbildendes Mittel eingesetzt wurden.

Brennesselblätter enthalten ca. 0,7 – 1,8% Flavonoide, darunter Rutin und Quercetin. Nur die grosse Brennessel (Urtica dioica) enthält Caffeoyläpfelsäure, weitere Inhaltsstoffe sind Kieselsäure, Aminosäuren, Calcium und Kalium.
Auch die Inhaltsstoffe der ungeliebten Brennhaare sind interessant, diese enthalten u.a. in kleinen Mengen Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Ameisensäure.

Brennesselblätter kann man frisch ganz einfach als Bestandteil der Gemüseration füttern oder pur zum Fleisch geben. Für einen 20 kg- Hund nimmt man dann etwa 1-2 Handvoll – am besten zerkleinert, damit die Nährstoffe optimal verwertet werden können.

 

Brennessel selber sammeln

Pflücken kann man sie am besten im Frühjahr und Frühsommer, bevor die Blüten austreiben. Die jungen Blätter kann man meistens ohne besondere Schutzmaßnahmen pflücken. In den jungen Blättern ist auch die höchste Nährstoffkonzentration. Wichtig ist, dass Du sie an geschützten, unbelasteten Orten sammelst, abseits von Verkehrsstrassen und nie direkt an Äckern, die mit Gülle gedüngt werden könnten.

Brennesseln gehören übrigens zu den Stickstoff-Anzeigern, Böden auf denen Brennesseln gut gedeihen, sind häufig besonders Stickstoff-reich und humos.

 

Phytotherapeutische Anwendung

Brennesseln haben eine harntreibende Wirkung, die Urinausscheidung wird also angeregt. Deswegen leistet sie bei allen Harmwegserkrankungen sehr gute Dienste, wenn eine sogenannte Durchspülungstherapie gefragt ist.
Bei Blasenentzündungen wird sie oft mit anderen harntreibenden Pflanzen kombiniert, um diesen Effekt zu verstärken bzw. zu  ergänzen.

Man kann Brennesseln zwar grundsätzlich auch bei Katzen anwenden, aber: Katzen und Kräuter ist ja so ein Thema für sich.
Das heisst, man muss die angezeigten Dosierungen sehr gut kennen, im Zweifelsfall gehört Phytotherapie bei Katzen immer in erfahrene Hände.

Also bitte nicht auf die Idee kommen, unbegrenzt Brennesseln in die Katze füttern zu wollen, auch wenn Katzen leider sehr häufig an Harnwegserkrankungen (FLUTD) leiden.

Bei allen Erkrankungen der Niere und auch bei einer eingeschränkten Leberfunktion darf Brennessel in phytoterapeutischer Dosis auf keinen Fall gefüttert werden.

 

Frühjahrskur

Durch die besonders hohen Gehalt an Vitalstoffen und die Eigenschaft, den Stoffwechsel anregen zu können, ist die Brennessel hervorragend für eine Frühjahrskur geeignet. Oft wird in diesem Zusammenhang von “Entgiftung”  gesprochen, gemeint ist eigentlich die vermehrte Ausscheidung von Stoffwechselend- und -nebenprodukten.

So eine Frühjahrskur kannst Du mit den entsprechenden Kräutern ganz einfach selbst zusammen stellen, Du benötigst:

  • Brennesselblätter
  • Löwenzahnkraut
  • Gartenkresse
  • Birkenblätter

Die frischen Kräuter / Blätter zerkleinerst Du so fein wie möglich. Dann kannst Du sie einfach unters Futter mischen. Als Alternative kannst Du die Kräuter zum Beispiel auch mit Buttermilch füttern.

Wenn Du keine frischen Pflanzen vorrätig hast, kannst Du auch auf getrocknete Kräuter zurück greifen. Die Kräutermischung änderst Du dann leicht ab, indem Du die Kresse streichst. Denn die Inhaltsstoffe der Kresse entfalten ihre Wirkung am besten frisch, bei der Trockung geht ein Teil verloren.
Dann hast Du zwei Möglichkeiten: Du gießt die getrockneten Kräuter mit heissem, nicht mehr kochendem Wasser auf, so dass sie gerade bedeckt sind und  lässt sie 10 Minuten ziehen. Den Sud inkl. der Kräuter gibst Du dann zum Futter.

Oder Du nutzt pulverisierte Kräuter. Diese rührst Du mit etwas heissem Wasser zu einem Brei an. Den kannst Du gflls auch mit etwas Honig schmackhafter machen, falls Dein Hund bei Kräutern die Nase rümpft. Den Brei gibst Du ebenfalls einfach ins Futter oder in Buttermilch oder, oder, oder…

 

Brennessel bei Arthrose

Für die große Brennessel wurden in Untersuchungen  schmerzlindernde / entzündungshemmende Effekte festgestellt, die wahrscheinlich auf den Gehalt von der oben genannten Caffeoyläpfelsäure und ungesättigten Fettsäuren wie etwa die seltene Fettsäure 13-Hydroxyoctadecadiensäure  zurückzuführen ist.

Gleichzeitig können Brennesseln ein hervorragender Baustein der vitalstoffreichen Fütterung sein, die bei Arthrose eine herausragende Stellung einnimmt.

Man sieht also: Brennesseln sind nicht zu unterschätzen.

Für Brennesseln wir auch für andere Kräuter gilt generell: Abwechslung ist wichtig und maßvoll dosieren, also lieber kleine Mengen als Ergänzung der täglichen Obst-/ Gemüseration füttern oder kurweise über einen Zeitraum von 4-6 Wochen füttern.

 

Quellen:

Riehemann et. al.: Plant extracts from stinging nettle (Urtica dioica), an antirheumatic remedy, inhibit the proinflammatory transcription factor NF-kappaB. 1999

Johnson et.al.: Lipophilic stinging nettle extracts possess potent anti-inflammatory activity, are not cytotoxic and may be superior to traditional tinctures for treating inflammatory disorders. 2013

 

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