Sorten, Wirkung, Qualität – Alles, was Du beim BARFen über Öle wissen solltest

Sorten, Wirkung, Qualität – Alles, was Du beim BARFen über Öle wissen solltest

Keine wildlebende Katze und kein Wolf nimmt jemals Öle zu sich. Ja, das stimmt natürlich.

Warum sind Öle dann ein wichtiger Zusatz in der Rohfütterung?

Die Antwort ist relativ einfach: Genau wie wir Menschen benötigen Hunde und Katzen essentielle Fettsäuren, also Fettsäuren, die über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Im Fleisch eines frei lebenden Beutetier sind die benötigten Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren in ausreichender Menge enthalten.

Anders bei den Tieren, die heute der Fleischgewinnung dienen. Züchtung, Licht- und Bewegungsmangel sowie eine meist (nicht artgerechte) Kraftfutter-basierte Fütterung scheinen Gründe dafür zu sein, dass Zuchttiere vor allem deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren enthalten als Wildtiere.
Während viele Omega-6-Fettsäuren im Fleisch ausreichend enthalten sind, müssen Omega-3-Fettsäuren hinzugefügt werden, um ein ausgeglichenes Omega-6 zu Omega-3-Verhältnis herzustellen.

Und genau da kommen die Öle bei der Rohfütterung ins Spiel.

Öle enthalten genauso Omega-3-Fettsäuren, wie auch essentielle Omega-6-Fettsäuren, die in tierischen Fetten bzw. im Fleisch nicht vorkommen.

 

Inhalt:

Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren
Warum eine gute Qualität von Ölen wichtig ist
Lagerung und Aufbewahrung
Hanföl
Leinöl
Lachsöl / Fischöl
Dorschlebertran
Weizenkeimöl
Borretschöl
Nachtkerzenöl
Schwarzkümmelöl
Kokosöl
Öl-Mischungen
Fütterung

 

Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren

Es gibt unzählige ungesättigte Fettsäuren, deren Zusammensetzung zum Teil genauso komplex ist wie das Zusammenspiel einzelner Fettsäuren und die Prozesse im Körper, die durch ungesättigte Fettsäuren beeinflusst werden.
Konzentrieren wir uns also erst einmal auf diejenigen Fettsäuren, die bei der Rohfütterung bzw. beim BARFen besonders relevant sind.

Omega-3-Fettsäuren

FettsäureVorkommen
α-Linolensäure (ALA)Hauptsächlich in Pflanzen bzw. pflanzlichen Ölen
Eicosapentaensäure (EPA)Fettreicher Fisch, Algen
Docosahexaensäure (DHA)Fettreicher Fisch, Algen

 

Omega-3-Fettsäuren und ihre Wirkung

Omega-3-Fettsäuren erfüllen viele unterschiedliche Funktionen im Körper, die je nach Fettsäure etwas variieren können. Vor allem für die Entwicklung bei heranwachsenden Hunden und Katzen, das Gehirn, Haut- und Fellstoffwechsel, das Immunsystem, als Botenstoffe und als Vorstufen von Hormonen sind Omega-3-Fettsäuren unerlässlich.

Außerdem gibt es sowohl physiologisch als auch krankheitsbedingte Situationen, in den der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren ansteigt.

Entzündungsgeschehen sind da wahrscheinlich das bekannteste Beispiel, aber genauso gilt dies bei Allergien, Stress, Nierenerkrankungen (akut und chronisch), Hauterkrankungen oder zur Wundheilung (auch nach Operationen, wie etwa Kastration). Auch bei Tumoren und Autoimmunerkrankungen gibt es Hinweise auf einen erhöhten Bedarf.

 

Omega-6-Fettsäuren

FettsäureFettsäure
LinolsäurePflanzliche Öle, tierische Fette, Nüsse
Gamma-Linolensäure (GLA)Pflanzliche Öle

Bevor wir uns die einzelnen Öle und ihre Funktionen näher anschauen, solltest Du eines im Hinterkopf behalten: Die Wirkweise, Zusammenspiel und Funktionen von essentiellen Fettsäuren sind selbst beim Menschen erst unvollständig erforscht.

Bei Tieren gibt es noch viel weniger Studien und wissenschaftlich belegte Erkenntnisse, denn inwieweit die für den Menschen zutreffenden Ergebnisse auch auf Tiere und insbesondere Carnivoren übertragbar sind –  da gibt es leider noch etliche Fragezeichen.

Und noch spezieller wird es bei einzelnen Ölen und deren Wirkweise.

Kurz gesagt: Es gibt Indizien auf bestimmte Eigenschaften und Funktionsweisen, aber auch noch viele offene Fragen.

 

Und wieder einmal: Bei Katzen  ist alles ein bißchen anders

Normalerweise können im Köper  die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA aus alpha-Linolensäure hergestellt werden. Nicht so bei Katzen.
Denn sie können im Gegensatz zu Hunden Linolsäure nicht zu der essentiellen Fettsäure Arachidonsäure umwandeln.
Die dazu benötigten Enzyme sind bei Katzen nur in geringer Menge vorhanden und / oder zu wenig aktiv. Leider scheinen diesselben Enzyme auch für den Umbau von alpha-Linolensäure in EPA und DHA verantwortlich zu sein.

Was bedeutet das?

Für Katzen sind Omega-3-Fettsäuren (ALA) aus pflanzlichen Ölen nur mit deutlich höherem Aufwand zu verwerten.Sinnvoller ist es also, EPA und DHA in Reinform zuzufüttern, z.B. in Form von Fischölen.

Und beim Hund?

Tja, hier bewegen wir uns wieder auf recht dünnem Eis. Beim Menschen ist es vermutlich so, dass für sowohl für den Umbau von α-Linolensäure (ALA) als auch von Linolsäure dieselben Enzyme benötigt werden, d.h. der Umbau beider Fettsäuren steht in Konkurrenz zueinander.

Man geht daher davon aus, dass die aufgenommene α-Linolensäure nicht 1:1 in  EPA und DHA umgewandelt werden kann, sondern immer mit Verlusten einhergeht. Zu den genauen Umwandlungsraten von ALA zu EPA  gibt es unterschiedliche Studien, die Werte zwischen 2-10% angeben.
Aber, wie gesagt: Beim Menschen.
Bei Hunden: Keine absolut gesicherten Erkenntnisse.
Am sichersten ist es also bei Hunden, sowohl Fischöle für die direkte Aufnahme von EPA und DHA zu geben, als auch Pflanzenöle zuzufüttern.

 

Die Qualität von Ölen und warum sie so wichtig ist

Bei Ölen, die man in der Rohfütterung verwendet, sollte man auf eine sehr gute, kaltgepresste Qualität achten.

Warum ist kaltgepresst so wichtig?

Öle, die bei der Verarbeitung erhitzt werden, wie es bei vielen besonders günstigen Ölen der Fall ist, verlieren beim Herstellungsprozesse die Inhaltsstoffe, auf die es uns beim BARFen ankommt: Vitamine und essentielle Fettsäuren.
Der Unterschied liegt in der Herstellung: Nicht kaltgepresste Öle werden durch Extraktion / Raffination gewonnen, kaltgepresste Öle durch Pressung bei max. 40 Grad Celsius.

 

Raffinierte Öle sind stark verarbeitete Öle, die etliche Arbeitsprozesse durchlaufen:

  • Extraktion des Öls durch Fettlösungsmittel (keine mechanische Pressung)
  • Entfernung der Trübstoffe zur Neutralisierung des Geschmacks
  • Bindung und Entfernung der ungesättigten Fettsäuren für eine längere Haltbarkeit
  • Bleichung unter Hitzeeinfluss u.a. zur Entfernung von Farbstoffen
  • Desodorierung bei etwa 270 Grad Celsius zur Geruchsneutralisierung und Zerstörung von Pestiziden

 

Für die Rohfütterung sind diese Öle deswegen ungeeignet.
Bei der Kaltpressung von Ölen gibt es nur einen einzelnen Arbeitsgang, die mechanische Pressung (z.B. in einer Schneckenpresse) mit anschließender Filtration.

D.h., die Geschmacksstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und Geruchsstoffe bleiben erhalten, u.a., weil bei der mechanischen Pressung nur geringe Wärme entsteht.

Die Ölausbeute ist so allerdings wesentlich geringer, was sich im Preis von kaltgepressten Ölen wiederspiegelt.
Bio-Öle sind dabei besonders empfehlenswert. Und nebenbei haben Öle aus biologischem Anbau den Vorteil, dass man sie natürlich auch für sich selbst nutzen kann, schließlich nehmen wir Menschen oft ebenfalls zu wenig gute ungesättigte Fettsäuren zu uns.

Für Öle gilt also genauso, was für das gesamte Prinzip Rohfütterung gilt: Du legst Dein Augenmerk auf möglichst wenig verarbeitete Bestandteile. Um Nährstoffe so gut wie möglich zu erhalten.

 

Lagerung und Aufbewahrung

Kaltgepresste Öle mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren werden schnell ranzig. Und je höher der Anteil an ungesättigten Fettsäuren, desto schneller verdirbt das Öl, wenn es geöffnet ist.

Deswegen gilt: Nach der Öffnung solltest Du die meisten kaltgepressten Öle innerhalb von etwa 4-10 Wochen aufbrauchen.

Zwei Faktoren verlängern maßgeblich die Haltbarkeit von Öl:

  • ein hoher natürlicher Vitamin-E-Gehalt (z.B. Weizenkeimöl)
  • ein hoher Anteil an ätherischen Ölen (z.B. Schwarzkümmelöl)

Trotzdem: Länger als 10 Wochen solltest Du auch diese Öle nach der Öffnung nicht nutzen.

Öle sollten immer in dunklen Behältnissen aufbewahrt werden. Nicht nur der direkte Kontakt mit Sauerstoff treibt die Oxidation, also das ranzig werden des Öls voran, sondern auch Lichteinstrahlung.

Einzige Ausnahme: Natives Kokosöl (Virgin Coconut Oil) kann in lichtdurchlässigen Behältnissen aufbewahrt werden, denn es enthät mehr (gesunde) gesättigte Fettsäuren als ungesättigte. Aber dazu später mehr.

Sehr günstige Öle, wie Du sie oft bei Discountern findest, sind oft in durchsichtigen 1-l-Plastikflaschen abgepackt, von Lichtschutz keine Spur.

Das wäre in diesen Fällen aber auch vergebliche Liebesmüh, denn bei diesen hocherhitzten Ölen sind so gut wie keine Inhaltsstoffe mehr enthalten, die durch Lichteinfall zerstört werden könnten.

Während des Oxidationsprozesses, also während das Öl ranzig wird, entstehen freie Radikale, besondere Sauerstoffverbindungen.

Sie sind der Grund, warum Du auf keinen Fall ranzige Öle füttern solltest, denn die freien Radikalen können Zellschäden verursachen, also u.a. Alterungsprozesse beschleunigen.
Außerdem stehen sie im Verdacht, Krankheiten auslösen oder beschleunigen zu können, oft werden sie mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Wie weit Zersetzungsprozesse im Öl bereits fortgeschritten sind, sieht, riecht und schmeckt man leider nicht immer. Deswegen solltest Du das Öl innerhalb einiger Wochen aufbrauchen.

 

Basis-Öle

Basis-Öle sind die Öle, die regelmäßiger Bestandteil beim BARFen sein können bzw. sollten.  Sie enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fetts

Hanföl

Gepresst wird Hanföl aus den Samen der Hanfpflanze. Dazu angebaut und genutzt dürfen nur Hanfpflanzen, die unter 0,3% THC enthalten, die Nutzung ist also absolut unbedenklich  bzw.  rauschfrei. 😉

Hanföl enthält über 80% einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren beträgt in etwa 4:1, was als besonders günstig angesehen wird.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Linolsäure , ca. 55%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • γ-Linolensäure, ca. 1–3 %
    Omega-6, 3-fach ungesättigt
  • α-Linolensäure, ca. 13-16%
    Omega-3, 3-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 10-15%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • außerdem: Tocopherole (Vitamin E), Stearinsäure, Stearidonsäure, Palmitinsäure

Frisches Hanföl ist hell- bis dunkelgrünlich und riecht nach, ja, tatsächlich, nach Heu oder Gras. (Gras wie Wiese, um Mißverständnisse in diesem speziellen Fall auszuräumen ;-)) Der Geschmack ist leicht nussig.

 

Leinöl

Leinöl wird aus Leinsamen, also den Samen der Flachs-Pflanze gepresst. Das Öl hat eine jahrhundertealte Tradition und gehört zu den ältesten heimischen Ölen.

Durch seinen extrem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren verdirbt Leinöl sehr rasch.  Gerade deswegen ist es bei Leinöl besonders wichtig, die Herstellung und die Aufbewahrung zu hinterfragen, denn die Qualitätsunterschiede bei Leinöl sind zum Teil enorm.

Was bei den anderen Ölen gilt, gilt bei Leinöl ganz besonders: Öl, das nicht kaltgepresst gewonnen wurde, hat für uns BARFer keinen Wert.

Außerdem ist die Frische wichtig, kleine Ölmühlen geben meistens sogar das Datum der Pressung auf dem Etikett an. Das MHD bei wirklich frisch gepresstem Leinöl liegt bei ca. 3 Monaten nach der Pressung.

Je älter Leinöl wird, desto bitterer schmeckt es.  Bewahr es unbedingt kühl auf, wenn die Flasche erstmal angebrochen ist. Kühlschrank ist eine Möglichkeit, aber Du kannst Leinöl auch noch besser einfach ins Gefrierfach packen.

Es friert nicht ein, aber die Oxidationsprozesse werden so deutlich verlangsamt. Was Du ebenfalls tun kannst: Das Öl mit Vitamin E ergänzen (z.B. allcura Vitamin E Tropfen), auch das verlängert die Haltbarkeit.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • α-Linolensäure, ca. 56-70%
    Omega-3, 3-fach ungesättigt
  • Linolsäure, ca. 12-23 %
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 10-22%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • außerdem: Tocopherole (Vitamin E), Stearinsäure, Palmitinsäure

Frisch gepresstes Leinöl ist hellgelb bis kräftig gelb und riecht / schmeckt nicht wirklich prägnant.
Wie oben schon mal angesprochen, ist Leinöl für Katzen nicht sonderlich gut geeignet, hier solltest Du besser Lachsöl bzw. Fischöl nutzen.

Leinöl für Hunde

 

Lachsöl / Fischöl

Lachs- bzw. Fischöl ist eine der wesentlichen EPA-/DHA-Quellen in der Rohfütterung.  Vor allem, wenn Du nicht mehr oder minder regelmäßig fetten Fisch fütterst.

Hergestellt wird es aus dem Fisch-Fleisch bzw. den Fischkörpern. Nach dem Fang werden die Filets für den Verzehr herausgetrennt,  der übrige Fisch wird zerkleinert, zentrifugiert und die festen von den flüssigen Bestandteilen getrennt. Das so gewonnene Öl wird gefiltert und abgefüllt. Auch hierbei elementar wichtig: Die schonende Verarbeitung bei niedrigen Temperaturen!

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Eicosapentaensäure (EPA), ca. 9-14%
    Omega-3, 3-fach ungesättigt
  • Docosahexaensäure (DHA), ca. 8-12 %
    Omega-6, 3-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 20-28%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • Linolsäure, ca. 5-9%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • außerdem: Erucasäure, Stearidonsäure, Palmitinsäure, Arachidonsäure

Gutes Lachs- bzw. Fischöl riecht und schmeckt ein wenig fischig, aber nicht penetrant.

Und das mit dem Schmecken kann ich Dir auch deswegen genau sagen, weil ich mir vor einigen Wochen mal morgens irgendwo zwischen Halbschlaf und Terminstress die falsche Glasflasche aus dem Kühlschrank geangelt  und mir Lachsöl statt Milch in den Kaffee gekippt hab. Ich fands geschmacklich nicht so überzeugend, dass ich dabei geblieben bin. 😉

Die Farbe reicht von hell-rötlich bis zu einem kräftigen Rot.

Auch bei Lachs-oder Fischöl ist es sinnvoll, das Öl zusätzlich mit Vitamin E als Antioxidant zu stabilisieren.  

 

Dorschlebertran

Dorschlebertran bzw. Lebertran ist das aus der Fischleber gewonnenen Öl.  Es enthält wie reines Fischöl die ungesättigten Omega-3 Fettsäuren EPA und DHA , aber vor allem auch fettlösliche Vitamine, nämlich A und D.

Das besondere daran ist das fast ideale Verhältnis zueinander, in dem die beiden Vitamine in Lebertran enthalten sind. Dorschlebertran eignet sich hervorragend als Ergänzung in der Rohfütterung, um vor allem Vitamin D zuzufügen.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Eicosapentaensäure (EPA), ca. 7-16%
    Omega-3, 3-fach ungesättigt
  • Docosahexaensäure (DHA), ca. 6-18 %
    Omega-6, 3-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 12-21%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • außerdem: Eicosensäure, Cetoleinsäure, Palmitinsäure, Palmitoleinsäure

Dorschlebertran enthält sehr wenig natürliche Antioxidantien, so dass auch hier eine Stabilisierung des Öls mit Vitamin E sinnvoll ist.

Und wie bei allen Fischölen sollte auf die Schadstoffanalysen geachtet werden. Auch dabei gilt: Besonders billig hat meistens einen Haken.

 

Weizenkeimöl

Weizenkeimöl enthält zwar im Vergleich zu anderen Ölen einen eher geringen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, ist für die Rohfütterung aber nichtsdestotrotz ein empfehlenswertes  Öl. Und zwar deswegen, weil es das Pflanzenöl mit dem höchsten natürlichen Anteil an Vitamin E (Tocopherolen) ist.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Linolsäure, ca. 51-56%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 17-21%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • α-Linolensäure, ca. 6%
    Omega-3, 3-fach ungesättigt
  • Tocopherole, ca.200-300 mg pro 100 ml Öl
  • außerdem: Palmitinsäure, Stearinsäure

Gewonnen wird das Öl aus den Keimlingen des Weizenkorns. Es ist intensiv rötlich durch die enthaltenen Carotinoide und schmeckt getreidig-nussig. Interessanterweise wird es von Katzen trotz des intensiven Geschmacks meistens problemlos akzeptiert.

Vorsicht bei Allergien gegen Getreide – in diesen Fällen sollte auch Weizenkeimöl nicht gefüttert werden.

Weizenkeimöl für Katzen

 

Spezielle Öle

Manche Öle haben besondere Bestandteile, die in der Ernährung gezielt eingesetzt werden können.

Werden die Basis-Öle in erster Linie zur Ergänzung der Omega-3-Fettsäuren genutzt, haben die nachfolgenden Öle oft eher speziellere Einsatzgebiete. Zum Beispiel zur Unterstützung von Fell- und Hautstoffwechsel, zur Verdauungsförderung oder zur Parasiten-Abwehr.

 

Borretschöl

Das Besondere an Borretschöl ist der extrem hohe Anteil an γ-Linolensäure, eine dreifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure – es gibt kein anderes Öl, das einen so hohen Anteil aufweist.

γ-Linolensäure ist eine der seltenen Fettsäuren – Quellen mit nennenswerten Mengen außer Borretschöl noch Nachtkerzenöl, schwarzes Johannisbeersamenöl und Hanföl.

Dass diese Fettsäure für den Körper so wertvoll ist, liegt unter anderem an zwei Eigenschaften: Zum einen kann sie entzündliche Prozesse äußerst positiv beeinflussen.
Außerdem wirkt sie günstig auf den Haut- und Fellstoffwechsel, sie hat daher z.B. bei Ekzemen oder anderen entzündlichen Hauterkrankungen ein großes Potential.

Der Grund hierfür: gamma-Linolensäure wird für die Synthese des Gewebshormons Prostaglandin E1 benötigt.

Der Herstellungsprozess ist leider relativ störanfällig, zum Beispiel durch Stress, einseitige Fütterung oder zu wenig Bewegung. Wird  jedoch zuwenig Prostaglandin E1 gebildet, zieht dies eine Schwächung des ( insbesondere mit Funktionen der Haut in Zusammenhang stehende) Immunsystem nach sich und es kann vermehrt zu Haut- und Fellproblemen kommen.

γ-Linolensäure wird in eher geringen Mengen benötigt, deswegen kannst Du davon kleinere Mengen füttern als von den Basis-Ölen. Borretschöl eignet sich hervorragend, um zusammen oder abwechselnd den Basis-Ölen eine Versorgung mit einer Vielzahl an essentiellen Fettsäuren sicher zu stellen.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Linolsäure, ca. 35-37%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • γ-Linolensäure, ca. 21-23%
    Omega-6, 3-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 17%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • Tocopherole, ca.70-100 mg pro 100 gr Öl
  • außerdem: Palmitinsäure, Erucasäure

Borretschöl ist zart-gelb bis kräftig gelb und riecht unverkennbar herb-krautig.

Borretschöl Hautprobleme Hund

 

Nachtkerzenöl

Ähnlich wie Borretschöl beinhaltet Nachtkerzenöl einen hohen Anteil γ-Linolensäure. Der Anteil ist zwar nicht ganz so hoch wie beim Borretschöl, dafür sind im Nachtkerzenöl weniger ungesättigte Fettsäuren zu finden.

Außerdem wird Nachtkerzenöl traditionell zur Unterstützung des weiblichen Hormonhaushalts angewendet, also z.B. bei Hündinnen mit der Neigung zu Scheinschwangerschaften.
Erwähnenswert ist auch der Gehalt an natürlichem Vitamin E, darunter vor allem das besonders gut verwertbare alpha-Tocopherol.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Linolsäure, ca. 75%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • γ-Linolensäure, ca. 9-10%
    Omega-6, 3-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 7%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • Tocopherole, ca.55-60 mg pro 100 gr Öl
  • außerdem: Palmitinsäure, Stearinsäure

Nachtkerzenöl ist meist kräftig gelb und riecht krautig.

 

Schwarzkümmelöl

Genau wie Nachtkerzenöl und Borretschöl überwiegen bei Schwarzkümmelöl die Omega-6-Fettsäuren.

Schwarzkümmelöl hat mehrere hervorstechende Inhaltsstoffe, das es von etlichen anderen Pflanzenölen unterschiedet: seinen hohen Anteil an ätherischen Ölen, der für Schwarzkümmel spezifische Pflanzenstoff Thymoquinon und die selten vertretende 2-fach ungesättigte Eicosadiensäure, die bislang leider noch sehr wenig erforscht ist.

Schwarzkümmelöl werden viele positive Effekte zugeschrieben: Vor allem eine entzündungshemmende Wirkung, denn das im Schwarzkümmel enthaltene Thymoquinon kann die Bildung von bestimmten Entzündungsstoffen hemmen. Thymoquinon wird auch in Bezug auf anti-tumorale Eigenschaften erforscht, bislang jedoch auch noch nicht mit abschließenden Ergebnissen.

Mehr zum Für und Wider von Schwarzmümmelöl findest Du hier: http://barf-blog.de/schwarzkuemmeloel/

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Linolsäure, ca. 56%
    Omega-6, 2-fach ungesättigt
  • Ölsäure, ca. 24%
    Omega-9, 1-fach ungesättigt
  • Palmitinsäure, ca. 12 %
  • gesättigte Fettsäure
  • ätherisches Öl, ca. 0,5-1%
  • außerdem: Tocopherole

Schwarzkümmelöl riecht und schmeckt sehr intensiv nach Kümmel. Die Farbe ist ebenso intensiv, nämlich ein kräftiges Braun-Rot.

 

Kokosöl (Virgin Coconut Oil)

Kokosöl ist das einzige Öl in dieser Auflistung, das mehr gesättigte Fettsäuren als ungesättigte Fettsäuren aufweist. Und im ersten Moment auch gar nicht als Öl erscheint, weil es erst bei Temperaturen über 25 Grad Celsius flüssig wird, darunter also eine feste Masse ist.

Trotzdem ist Kokosöl in der Rohfütterung ein ungemein nützliches und extrem wertvolles Öl.

Und zwar aufgrund seines Anteils an Laurinsäure, die ungefähr die Hälfte des Öles ausmacht. Denn Laurinsäure scheint auf Zecken, Milben und Würmer eine abstoßende Wirkung zu haben. Auch hier finden sich noch sehr wenig Studien.
Eine regelmäßige Zufütterung scheint sich aber positiv auf das Darmmilieu auszuwirken, und etwas Kokosöl im Fell zur Prophylaxe gegen Zecken zu verteilen, kann auf keinen Fall schaden.

Was besonders wichtig ist, wenn Du Kokosöl füttern möchtest: Es muss sich um reines, natives Kokosöl handeln, am besten in Bio-Qualität.

Das, was im Handel oft günstig als Kokosfett zum Braten verkauft wird, sind Ölmischungen, in denen raffiniertes Kokosöl verwendet wird, zum Teil gemischt mit billigen, gehärteten Fetten. Und das ist weder für Tier noch Mensch sonderlich empfehlenswert.

Was ist drin? Die Hauptbestandteile.

  • Laurinsäure, ca. 47-51%
    gesättigte Fettsäure
  • Mystirinsäure, ca. 17-19%
    gesättigte Fettsäure
  • Palmitinsäure, ca. 10 %
    gesättigte Fettsäure
  • außerdem: Caprylsäure, Caprinsäure, Palmitinsäure, Ölsäure

Natives Kokosöl ist weißlich in festem Zustand und in flüssigem Zustand farblos. Es riecht ganz zart  nach Kokos – das ist übrigens auch ein Merkmal, an dem Du erkennst, dass es sich um natives und nicht um raffiniertes Kokosöl erkennst, denn das riecht nach gar nix.

Kokosöl wird meistens zur Schaffung eines wurmwidrigens Darmmilieus genutzt.

 

Ölmischungen

Es gibt mittlerweile zahlreiche Ölmischungen, die sehr unterschiedliche Zusammensetzung aufweisen.
Entweder handelt es sich um Fischöl, die mit einem Öl mit besonderen Eigenschaften kombiniert wird und mit zusätzlichem Vitamin E versetzt sind. Wie z.B. beim Omega 3-6-9-Öl von DHN .

Andere kombinieren unterschiedliche Pflanzenöle miteinander, z.B. das cdVet Fit BARF Futteröl.
Welche Ölmischung Du ggffls nutzen möchtest, hängt vom individuellen Bedarf, persönlichen Vorlieben und dem Einsatzzweck ab. Du kannst Ölmischungen aber natürlich auch aus einzelnen Ölen und Vitamin E selbst herstellen.

 

Fütterung

Wenn Du einen Hund barfst, macht es Sinn, 1-2 Omega-3-lastige Öle abszuwechseln und ggffls mit einem speziellen Öl zu kombinieren. Eine sinnvolle Kombi wäre beispielsweise Lachsöl und Weizenkeimöl, kombiniert mit Kokosöl. Oder Krillöl, Hanföl und Borretschöl.

Je kleiner Dein Hund ist, desto weniger Flaschen solltest Du gleichzeitig geöffnet haben – denn wenn nur sehr kleine Mengen benötigt werden, dann ist die Wahrscheinlichkeit sonst groß, dass das Öl ranzig geworden ist, bevor Du alle Flaschen zu Ende aufgebraucht hast.

Bei Katzen benötigt man für die Omega-3-Fettsäuren in jedem Fall ein Lachsöl bzw. Fischöl. Je nach Futterzusammensetzung und Bedarf kann auch der Einsatz von Weizenkeimöl und Dorschlebertran sinnvoll sein. Öle wie Nachtkerzenöl und Borretschöl können auch Katzen gefüttert werden, allerdings solltest Du hiervon an Katzen wirklich nur sehr kleine Mengen verfüttern.

 

Quellen und zum weiter lesen:

Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Datenbank SOFA

Matthäus / Münch:  Warenkunde Ölpflanzen / Pflanzenöle –  Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung Verarbeitung, Verwendung

Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft

Öl-Spezifikationen der Ölmühlen

Weiß, S..: Anreicherung von langkettigen n-3-PUA in Blutfraktionen durch Supplemenation von alpha-Linolensäure bei stoffwechselgesunden Probanden. Diplomarbeit, Universität Jena 2013

Bamford JTM, Ray S, Musekiwa A, van Gool C, Humphreys R, Ernst E. Oral evening primrose oil and borage oil for eczema, 2013

 

 

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3 comments

  1. Christine Richter

    Ich höre immer wieder, dass Hunde Pflanzenöle nicht verwerten können. Was ist an dieser Behauptung dran? LG, Christine Richter


    1. Post author
      Ute Wadehn

      Das ist ein bißchen unterschiedlich. Bestimmte Fettsäuren wie Laurinsäure oder gamma-Linolensäure haben für Hunde durchaus einen Nutzen. Wenn es speziell um die Omega-3-Fettsäuren geht, so enthalten pflanzliche Öle die für Hunde nur mit Umwandlungsverlusten verwertbare alpha-Linolensäure (ALA). Diese muss dann im Körper in EPA und DHA umgebaut werden, was aber nicht im Verhältnis 1:1 passiert. Welche Umwandlungsraten man erzielt, hängt z.B. auch vom Gehalt an sonstiger Linolsäure in der Fütterung ab. Je mehr Linolsäure, desto weniger alpha-Linolensäure kann in EPA und DHA umgesetzt, weil dasselbe Enzym diese Umwandlungsprozesse vornimmt. Es ist also sinnvoll, für die Omega-3-Versorgung immer auch ein Öl aus tierischer Herkunft in der Fütterung zu nutzen, wie etwa Wildlachsöl, Krillöl oder Fischöl. Dann kann man ggffls auch mit pflanzlichen Ölen kombinieren. Ausschließlich pflanzliche Öle zu nutzen, wäre nur dann eine Option, wenn man sicher sein kann, dass auf anderem Wege ausreichend Omega-3 in der Fütterung ist, z.B. durch ausschließliche Fütterung von Wildfleisch oder Fleisch von überwiegend draußen gehaltenen Tieren und das Verhältnis auf diesem Wege stimmig ist. Bei Nierenerkrankungen sollte man pflanzliche Öle tatsächlich komplett vermeiden.

  2. Andreas Jensen

    Vielen Dank für diesen informativen Text. Vielleicht haben Sie Zeit, eine Frage dazu zu beantworten: Ich folgere aus der Fütterungsempfehlung, dass es sinnvoll ist, Katzen ständig mit einem Lachs- bzw. Fischöl zu versorgen und nicht, wie ich häufig gelesen habe, kurmäßig und im Wechsel mit anderen Ölen. Ist da richtig?

    MfG
    Andreas Jensen

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