Von richtig guten Belohnungen und solchen, die nur gut gemeint sind

Von richtig guten Belohnungen und solchen, die nur gut gemeint sind

Ein Gastbeitrag von Karin Immler

Nachdem Ute Wadehn mich eingeladen hatte, etwas für den Barf-Blog zu schreiben, habe ich eine Weile überlegt, was das passende Thema sein könnte. Schließlich sollte ja auch ein Bezug zu Utes Kernkompetenz – der gesunden Ernährung von Hunden und Katzen – bestehen.

Heute bin ich dann beim Blättern in meinen Unterlagen fündig geworden und habe mich für das Thema „Belohnung“ entschieden. Schließlich ist Futtergabe eine weit verbreitete Form von Belohnung.

Welche Belohnung verwenden BARFer im Hundetraining?

Auch für BARF-Fans gibt es eine große Auswahl: im Backrohr oder Dörrgerät getrocknetes Fleisch nach Wahl, selbstgemachter Fleischkäse, je nach Vorlieben Ihres Hundes auch Gemüse (versuchen Sie doch einmal getrocknete Kartoffel- oder Süßkartoffelwürfel), Bananenchips und natürlich Käse.

Mein persönlicher Favorit sind wiederbefüllbare Futtertuben (oder -kruken) mit einer Füllung aus 2/3 Topfen (Quark) und 1/3 Hühnersuppe, Bratensaft oder ähnlich Schmackhaftem.

Selbst der mäkeligste Vierbeiner wird übrigens bei Palatschinken schwach. Für Nicht-Österreicher: Aus Milch, Eiern, einer Prise Salz, gffls ein klein wenig Honig und etwas (Dinkel-)Mehl wird der Teig hergestellt. Im heißen Fett dünne Eierkuchen backen, die man – abgekühlt natürlich und das Fett abgetupft – in Streifchen geschnitten wunderbar für Belohnungszwecke verwenden kann.

Stellt man Menschen die Frage, wie sie ihre Hunde belohnen, erhält man außer „Futter“, vielleicht auch noch „Streicheln“ oder „mit Worten Loben“ zur Antwort. Vielen HundehalterInnen fällt es schwer, sich weitere Belohnungsmöglichkeiten auszudenken. Dabei zeigen uns unsere Hunde doch sehr deutlich, was sie gerne mögen.

Und alles das eignet sich – zumindest theoretisch – auch als Belohnung. Wenn Sie also einen Hund haben, der für sein Leben gerne schwimmen geht, dann lässt sich das auch als Belohnung verwenden.

Wenn Sie einen Hund haben, der nichts lieber tut, als mit Ihnen um sein Baumwolltau zu kämpfen, dann wäre das womöglich eine gute Belohnung. Natürlich gibt es auch Liebhabereien unserer Hunde, die wir als Belohnung nicht in Betracht ziehen sollten.

Einer meiner Hunde war fasziniert von Enten. Das höchste der Gefühle wäre es für ihn gewesen, ungehindert (von mir und der Leine) so ein Federvieh jagen zu dürfen. Als Belohnung ist das Entenjagen aber aus mehreren Gründen nicht wirklich geeignet. 😉

Erstens wäre es der Ente gegenüber unfair und zweitens habe ich ja im entscheidenden Moment nicht immer eine Ente zur Hand. Ja und drittens hätte ich nach „Verabreichung“ der Belohnung keinerlei Einfluss mehr auf das Geschehen. Denn ist der Hund erst einmal leinenlos hinter der Ente her, kann das dauern!!!

Der Köder muss dem Fisch schmecken – nicht dem Fischer!

Das wichtigste Kriterium einer Belohnung ist einfach erklärt: der Belohnte muss davon begeistert sein. Optimal wäre „Wow – davon will ich mehr!“. Und da lohnt sich ein kritischer Blick auf den eigenen Hund! Wie viele Hunde habe ich schon gesehen, die sich unter der zur Belohnung streichelnden Hand weggeduckt haben. Oder das dargebotene Leckerchen beschnüffelt und NICHT genommen haben. Dumm gelaufen!

Eine gute Idee ist es, eine Belohnungshitliste zu machen: Was findet Ihr Hund richtig, richtig toll? Zunächst spielt es gar keine Rolle, ob das möglich, erlaubt oder sinnvoll ist.

Erst einmal ist es wichtig, herauszufinden, wie der eigene Hund tickt. Und die allseits beliebten – bei den Menschen! – Trockenkrümel finden sich nicht unter den Top 10, soviel ist sicher!

In einem zweiten Schritt können Sie dann überlegen, was davon für Sie wirklich gut als Belohnung einsetzbar ist und in welcher Situation.

Auf jeden Fall lohnt sich auch ein kritischer Blick darauf, wie selbst gut gewählte Belohnungen danebengehen können. Denn sogar das wunderbarste Futterstückchen schmeckt eher bitter, wenn es mit allzu vorgeneigtem Oberkörper verabreicht wird. Sehr „beliebt“ ist es auch, das Futterstückchen zu geben und dann mit der freigewordenen Hand dem Hund über den Kopf zu streicheln! Brrrr!

Manch einer von uns erinnert sich an die gute alte Tante, die einem zugleich mit der Übergabe der begehrten Süßigkeit „liebevoll“ in die Wange kniff oder über den Kopf streichelte.

Und an das Gefühl der Abwehr oder gar des Abscheus dabei!

Würstchen für einen satten Hund verfehlen als Belohnung vermutlich ebenso die Wirkung wie das Stöckchen für einen Hund, der nicht apportieren mag.

Das ängstliche Tier fühlt sich durch Distanz zum Angstauslöser bestimmt mehr belohnt, als durch Käsehäppchen und das erschöpfte Tier wird einen gemütlichen Liegeplatz vermutlich dem übermütigen Laufspiel vorziehen. Belohnung muss also – wenn sie ihren Zweck erfüllen soll – nicht nur auf das Tier und seine Persönlichkeit, sondern auch an die jeweilige Situation abgestimmt sein.

 

Abwechslung ist das Salz des Lebens

Haben Sie die Überdrübersupersonntagsbelohnung für Ihren Hund herausgefunden? Bitte verwenden Sie sie mit Bedacht und keinesfalls inflationär. Denn selbst die tollste Belohnung nutzt sich irgendwann ab. Abwechslungsreich und situativ zu belohnen – das ist die Kunst .

  • Wir beachten häufig nur, was uns nervt, statt zu loben, wenn der Hund etwas gut macht, etwa an lockerer Leine läuft.
  • Wir loben zu spät, nicht während der Übung, sondern wenn sie vorbei ist. Lernt der Hund zum Beispiel über einen Gitterrost zu gehen, sollte er währenddessen gelobt werden und nicht, wenn er wieder angenehmen Boden unter den Pfoten hat.
  • Wir loben so überschwänglich, dass der Hund die Übung vorzeitig abbricht, weil unsere Erregung ansteckend ist. Gerade bei Ruheübungen (“Platz” oder “Bleib”) gilt es, die Intensität des Lobs gut abzuwägen.
  • Wir verlangen zu viel. Nichts wirkt – auch bei Hunden – demotivierender als ständiger Misserfolg. Daher ist es wichtig, schon kleinste Schritte anzuerkennen und zu belohnen. Soll das Tier beispielsweise lernen, seine Pfote zu geben, kann ein Anfang sein, schon seine Gewichtsverlagerung zu loben. Als nächstes wird das kleinste Abheben der Pfote vom Boden gelobt, und so weiter.

Und zu guter Letzt spielt auch die Stimmungsübertragung eine Rolle. Eine Belohnung zu geben, nur weil es im Trainingsplan so vorgesehen ist, kann ganz schön danebengehen.

Wenn Sie nicht wirklich Freude haben an dem Erfolg, den Ihr Hund gerade errungen hat, dann ist Ihre Belohnung nur halb so viel wert, wie Sie denken – wenn überhaupt.

Sind Sie dagegen richtig happy über das, was Ihr Hund gerade erreicht hat (auch wenn es nur ein „Erfölgchen“ ist), dann spürt Ihr Hund Ihre Freude, Ihre Zufriedenheit und Ihr Erfolgsgefühl – und das wertet jedes Futterbröckchen, jeden Ballwurf und jedes Suchspiel erst zum richtigen Triumphmarsch auf.

Denn: Was wären die großen Erfolge ohne die kleinen!

 

Zur Autorin:

ki

Karin Immler ist in Salzburg zu Hause. Mit im Haushalt leben zwei Hunde und drei Katzen.

Sie ist Vizepräsidentin der VÖHT (www.voeht.at) und bietet neben Training und Beratung (www.knowwau.com und www.online-hundeschule.net) auch Energetik mit dem Schwerpunkt Haustiere an.
Auch bei ihrer Radiosendung „Hunderunde – Gespräche und Gedanken über Hunde und Menschen“ (http://blog.radiofabrik.at/hunderunde/ ) steht die harmonische Beziehung zwischen Mensch und Hund im Mittelpunkt.

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